Rundbrief - Zentrum Seelsorge und Beratung

Zentrum Seelsorge und Beratung

Unser Angebot

Das Zentrum Seelsorge und Beratung ist ein Fachzentrum, das kirchliche Mitarbeitende und Träger im Bereich der EKHN berät, unterstützt und fachlich qualifiziert. Diese Mitarbeitenden und Träger verantworten bzw. führen in Kirchengemeinden und Dekanaten, Kirchenleitung und Kirchenverwaltung sowie im Diakonischen Werk Seelsorge und Beratung durch.

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Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

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Rundbrief 2-2020


Gedanken von Marianne Kircher

Im Leben von Menschen und Tieren hat der Geruchssinn eine große Bedeutung. Doch ist er bei Tieren oftmals besser ausgeprägt. So staunen wir über die Fähigkeit der Hunde, die mit ihrer Nase feinste Geruchsspuren finden und uns mit dieser Gabe in verschiedenster Weise hilfreich zur Seite stehen können. Vielleicht wundert man sich auch darüber und fragt sich, womit, und aus welcher Entfernung Wespen Düfte wahrnehmen, da sie innerhalb kürzester Zeit unseren Pflaumenkuchen auf dem Kaffeetisch entdecken und sich darauf niederlassen, um ebenfalls zu schmausen.

Mir kommt der Gedanke: Wie würde für mich der Himmel riechen? Sofort fallen mir Gerüche ein: Frisch gemähtes Gras, der Geruch des Meeres mit seiner salzhaltigen Luft, der Duft der Erde im Sommer, wenn ein heftiger Regen heruntergekommen ist, Wäsche, die im Freien trocknete, eine Rose, ein Holzfeuer, Zimt und Vanille. Der Geruch einer geschälten Mandarine.

Ich spüre dabei eine Verbundenheit mit der Erde, mit Menschen, mit Erinnerungen. In mir empfinde ich etwas „Himmlisches“. Ich lasse mich davon berühren, einen Moment lang und es lässt mich verändert zurück: Ein wenig ruhiger und auch etwas getröstet.

Ob das wohl so ähnlich ist, wenn man den Glauben riecht? Ich meine, Glauben muss über die Sinne erfahrbar sein. Dort, wo unser Glaube nur über den Kopf geht, ist es, als würde man in einem Restaurant sitzen und sich nur mit dem Lesen der Speisekarte zufriedengeben. Oder man begnügte sich damit, mit dem Finger auf der Landkarte eine Weltreise zu machen.

Wenn man den Glauben riechen will, dann geht es nicht um Wissen, sondern um Spüren, Empfinden, Erfahren. Dann kann Glaube nicht einfach erklärt werden, sondern man sollte dazu anstiften, Lust darauf machen, selbst zum Duft zu werden, der etwas von Gott erfahren und erleben lässt.

In der Bibel im 2.Korintherbrief, Kapitel 2, Vers 15 schreibt Paulus vom Wohlgeruch Christi. Es gibt Menschen, die so duften, dass man ihren Glauben glaubt, weil ihre Liebe und Verbundenheit zu Gott für andere spürbar ist. Meist sind sie sich gar nicht bewusst, dass sie durch ihre Güte, Freundlichkeit und Herzlichkeit anderen guttun. Oft sind es Menschen, die nicht viele Worte darum machen, sondern einfach da sind und zuhören, trösten, ermutigen, die unterstützen, zupacken, wo Hilfe gebraucht wird.

In der Nähe von Menschen, die sich in den Wohlgeruch Christi einhüllen lassen, die selbst ein Wohlgeruch Christi geworden sind, fühlt man sich gut, fühlt man sich wohl. Glaube-Liebe heißt dieses „himmlische Parfüm“. Lassen wir es uns von Gott schenken!


Aus dem Büro

Unterstützung durch sehende Mitmenschen

Der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten Verband (DBSV) hat eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt. Die Frage war: Welche Unterstützung wünschen Sie sich in Corona-Zeiten von ihren sehenden Mitmenschen? Mehr als 200 Betroffene haben ihre Wünsche und Tipps eingesandt. (veröffentlicht in Sichtweisen 7-8/20)

Wir möchten Sie hier nach Themenbereichen geordnet als Tipps, besonders an unsere sehenden LeserInnen und HörerInnen weitergeben!

  1. Hilfe anbieten ist niemals falsch und auch aus sicherer Entfernung möglich. Welche Hilfe gebraucht wird, das kann sehr unterschiedlich sein und manchmal ist Hilfe auch nicht notwendig, aber die Nachfrage ist hilfreich!
  2. In Zeiten des Abstandhaltens ist das „miteinander sprechen“ ganz wichtig! „Ich sage Ihnen gern Bescheid, wenn Sie dran sind.“ Einen Meter rechts von Ihnen ist ein Spender für Desinfektionsmittel. “Wenn Sie einen Schritt zurückgehen, stehen Sie hinter der Markierung.“
  3. Viele Menschen mit Seheinschränkung bekommen nicht früh genug mit, wenn ein zu geringer Abstand droht. Ausweichen und Ansprechen sind eine Hilfe.
  4. Sich anbieten, an der Haltestelle die ankommende Bus- oder Bahnlinie anzusagen und als „Navi“ für Tür und Sitzplatz zu dienen, ist hilfreich.
  5. Die Situation in den Geschäften ist schwierig geworden (Einkaufswagenpflicht, Abtasten von Verpackungen, nicht fühlbare Abstandsmarkierungen). Gelassenheit bei Personal und anderen Kunden wäre wünschenswert!
  6. Regeln und Hygienekonzepte auf Aushängen können nicht gelesen werden, deshalb braucht es Unterstützung.
  7. Vielerorts gibt es neue Plexiglaswände, meist aber ohne kontrastreiche Markierungen.
  8. Mit Masken wird es noch schwieriger, deutlich und klar miteinander zu sprechen.
  9. Die neuartigen „Corona-Warteschlangen“ sind mit einer Seheinschränkung sehr schwer zu erfassen: Gibt es eine Schlange? Wo ist das Ende? Geht sie zum Bäcker oder zur Post? Wann muss ich vorrücken?
  10. Viele der Befragten gehen aus Sorge, etwas falsch zu machen, nicht mehr aus dem Haus. Sie wünschen sich von ihren Mitmenschen mehr Gelassenheit, Hilfsbereitschaft, Kommunikation und Verständnis für ihre Situation.

 

Aus unserer Arbeit unter Corona–Bedingungen

Durch die zahlreichen Telefon- und Mailkontakte in den letzten Wochen können wir die Ergebnisse der DBSV–Umfrage bestätigen. Es gibt aber auch viele Betroffene, die mit Besonnenheit, Mut und Zuversicht ihr Leben weiterhin meistern. Die vorhandene Seheinschränkung verlangt auch im Normalfall von jedem eine gute Lebensplanung und den Aufbau eines Netzwerkes, in Form von Unterstützungssystemen durch Familie, Freunde, Bekannte und/oder professionelle oder ehrenamtliche Hilfe.
Das stärkt Menschen auch in der Corona-Zeit!

Nachdem wir seit Ende März alle Veranstaltungen abgesagt oder verschoben haben, gab es nun wieder die ersten Treffen mit kleinen Gruppen unter Corona-Regeln.

Wir haben im August unsere MitarbeiterInnen-Konferenz durchgeführt, im Oktober planen wir unsere Körper-Seele- Geist-Tage im Odenwald und die Adventstage in Braunfels. (Hier gibt es noch drei freie Plätze.)
Natürlich stehen alle Veranstaltungen unter Vorbehalt, was die aktuelle Viruslage betrifft. Diese Unsicherheit wird uns weiterhin begleiten.

 

Neues von DeBeSS

Die geplante BegleiterInnenschulung für sehende Ehrenamtliche in Wernigerode ist für dieses Jahr abgesagt worden.

Die Fachtagung des Dachverbandes im Februar 2021 in Rastatt wurde um ein Jahr verschoben.

Alle Medien und Texte können weiterhin in der Geschäftsstelle in Kassel bestellt werden. Telefon: 0561/72987161 oder über die Homepage: www.debess.de


Und zum Abschluss

Immer wenn ich einen Text lese, der mich schmunzeln lässt und der mich gleichzeitig zum Nachdenken bringt, dann freue ich mich über diesen!

Die nachfolgende Zeitungskolumne aus der Frankfurter Rundschau, verfasst von Michael Herl, Autor und Theatermacher aus Frankfurt, das ist so ein Text! Der Stil ist vielleicht für einige gewöhnungsbedürftig – aber erfrischend! (Der Text ist ungekürzt – sollten Sie Fragen haben, Sie können uns gerne anrufen.)

Überblick verhindert Jogginghose

„Eigentlich ist es schon ein wenig verständlich, wenn heute jemand in aller Öffentlichkeit Jogginghose trägt. Tut er das nämlich, so hat er laut dem 2019 verstorbenen deutschen Philosophen Karl Lagerfeld die Kontrolle über sein Leben verloren. Dies gilt es unbedingt zu verhindern, denn sonst traue ich mich nicht mehr auf die Straße, weil mir sonst übel wird und das ist nicht schön.

Also befragte ich einige mir bekannte Fachleute aus dem psychosozialen Bereich, warum üblicherweise Menschen ihr Leben aus dem Ruder läuft und weiß nun, dass dies geschieht, wenn sie zuerst den Überblick verlieren, dann die Zuversicht, dann die Lebenslust, dann die Kontrolle – und schließlich die Notwendigkeit, sich etwas Anständiges anzuziehen.

Es fehlt also der Überblick und um den wiederzuerlangen, helfe häufig das Erstellen einer Liste. Also machte ich mich daran, als kleine Handreichung zur Vermeidung von Jogginghosen mal eine solche zu erstellen. Fangen wir an der Einfachheit halber erst mal nur in Form von Stichworten in willkürlicher Reihenfolge.

Das also kam binnen kurzer Zeit über uns: Metoo-Debatte, Flugschämen, Amoklauf eines Nazis in Halle, Fridays for Future, neue Radwege überall im Land, Videokonferenzen statt Dienstreisen, Insektensterben, sinkender Fleischkonsum lange vor Tönnies, Grillverbot, Vernichtung tausender Tonnen französischen Rohmilchkäses aufgrund geschlossener Restaurants, Abkehr vom Auto, Kurzarbeit, Maskenpflicht, katholische Kirche vertuscht immer noch Kindesmisshandlung.

Berliner Flughafen wird überflüssig und dennoch eröffnet, Tempo 130 auf deutschen Autobahnen steht kurz bevor, Black Lives Matter, Klimawandel, Nazis in der Bundeswehr, temporäre Klopapierknappheit, Xavier Naidoo erklärt sich endgültig als bescheuert, Singvögelsterben, Kreuzfahrtschiffe sind eingemottet, Immobilien sinken im Wert, Amoklauf eines Nazis in Hanau. Wirecard-Manager lassen Kleinanleger verarmen, Bestatter melden wegen sinkender Zahl von Operationen Kurzarbeit an, der Wald stirbt, zigtausende Idioten demonstrieren gegen Maskenpflicht, Formel 1 stirbt auch, es gibt kaum noch Fische ohne Mikroplastik im Bauch, angesichts von Leuten wie Orban, Trump, Bolsonaro und Erdogan avanciert Kim Jong Un zum Ehrenmann.

Lufthansa stirbt ebenfalls, dennoch wird in Frankfurt ein Terminal 3 gebaut, Rassisten bei der Polizei, Nazi ermordet Politiker in Kassel, Irrsinn der Produktion in Billiglohnländern offenbart sich endgültig und, ach ja, nennen wir es auch mal beim Namen, Covid-19.

Letzteres aber, auch wenn es so übermächtig erscheint, ist bei den allermeisten angeführten Punkten nicht der Auslöser, sondern bestenfalls ein Katalysator. Vieles wäre auch ohne das Virus geschehen, nur mit Verzögerung und nicht geballt mit allem anderen.

Schuldnerberater empfehlen ihren Klienten, sich dazu zu zwingen, die ganzen Berge von Rechnungen und Mahnungen zu öffnen, zu sortieren und aufzulisten. Dann gehe es ihnen auf einen Schlag besser, denn das bedrohende, schwarze Ungewisse erhalte ein Antlitz und wirke bekämpfbarer.

Geht es Ihnen nun auch so? Sehen Sie Licht am Ende des Elends – oder greifen Sie dennoch bald zur Jogginghose?

Tun Sie`s nicht. Es gibt immer einen Weg“.

Ich habe mich mit diesem Text ja nun schon länger beschäftigt und bin über das Schmunzeln immer mehr zum Nachdenken gekommen– nicht über Jogginghosen – eher über Gott und die Welt!

Ich grüße Sie im Namen aller, die an diesem Rundbrief mitgewirkt haben. Und wir wünschen allen viel Kraft und Gottes Segen in einer bewegenden Zeit, die uns alle herausfordert. Bleiben Sie behütet.

Ihr Gerhard Christ

Wenn Sie an regelmäßigen Informationen über unsere Arbeit interessiert sind, können Sie gerne unseren kostenlosen Rundbrief abonnieren.

Er erscheint 3 mal im Jahr und kann in Schwarzschrift, Blindenschrift, als E-Mail oder auf CD-Rom bezogen werden.

Kontakt

Zentrum Seelsorge und Beratung (ZSB)
der Evangelischen Kirche in Hessen
und Nassau

Kaiserstraße 2
61169 Friedberg
Tel. 06031 162950
Fax 06031 162951
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